Termine

Sonntag 8. July, 19:00h
LÄSBISCH-TV „Best-Of“ 27 Sendungen 1991 – 1993
by Doro Etzler & Mahide, 5-2018, 117 min.
Galerie ZeitzoneAdalbertstr. 79 / Waldemarstr., 10999 Berlin
Everybody welcome 😉
bei Snacks & Drinks
Rollstuhl-Rampe ist da, aber kein WC für Rollstühle, Sorry.
Eintritt: 10,-€ bis 5,-€ (Selbsteinschätzung)
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Samstag 15. Sept., 18:30h – TBA
Humboldt-Universität Berlin
präsentiert von Mahide Lein
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Samstag 19. Mai, 16:00h
LÄSBISCH-TV, Best-Of 1991 – 1993, 70min., 2018

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12 Monde“ im Schwules Museum*
15. Feb – 16. März 2018 LÄSBISCH-TV
                                                      youtube-Trailer
11. März
, 14h Matinée mit ex-Team & Best-Of 1 – 27
16. März
, 15h Finissage mit Drinks & Snacks

Im zweiten Programm von 12 Monde wird erstmals das komplette Archiv von LÄSBISCH-TV öffentlich zugänglich gemacht.

Die in Berlin konzipierten und produzierten Sendungen sind ein einzigartiges Zeugnis der vielfältigen, inzwischen fast verschwundenen „Ladies Only“-Szene der 1990er Jahre und des reichhaltigen Kulturangebotes von und für Lesben. In 44 Treffpunkten wie Buchläden, Galerien, Restaurants, Lesben-Zentren und Cafés konnten Frauen tagsüber unter sich sein, nachts gab es eine Vielzahl an Veranstaltungen zum Ausgehen in der lesbischen Subkultur. Aus dieser aktiven und enorm produktiven Szene rekrutierten sich die Macherinnen von LTV.

Über 130 lesbische Frauen* beteiligten sich an der Produktion der monatlichen (im ersten Halbjahr 14-tägigen) Sendung, die ohne Budget in der Medienzentrale der FU Berlin vorproduziert und heimlich an Schnittplätzen der DFFB (Deutsche Film- und Fernsehakademie Berlin) hergestellt wurde. In kurzen Beiträgen kommentierten jeweils wechselnde Teams internationales Zeitgeschehen, Kunst, Sport, Alltag, Filme und gaben Veranstaltungstipps, stets aus lesbischer und feministischer Perspektive. Politische Statements, diverse Einzelmeinungen, freche Anmoderationen und eine selbstkritische Reflektion der eigenen Frauen*- und Lesben-Szene bezeugen die progressive Dynamik von LTV in seiner (ihrer) Zeit.

LTV interviewt die legendäre feministische Künstlerinnengruppe Guerilla Girls aus New York, die in einem Beitrag an die Zuschauer_innen in Berlin appelliert, sich in eigenen Bündnissen zusammenzuschließen und aktiv zu werden. Das Referat für gleichgeschlechtliche Lebensweisen stellt in regelmäßigen Abständen seine Arbeit vor und fordert dazu auf, über Diskriminierungserfahrungen zu berichten. Eine Demonstration gegen den rechtsradikalen Brandanschlag in Mölln im November 1992, bei dem drei Frauen ermordet wurden, wird dokumentiert. Auseinandersetzungen mit sexueller, rassistischer und patriarchaler Gewalt gegen Frauen* stehen immer wieder im Fokus. In Berichten von internationalen Kongressen oder bundesweiten Demonstrationen und in Portraits einzelner Aktivistinnen oder Gruppen – von Heilpraktikerinnen über Kampfsportlerinnen bis zu Liedermacherinnen – wird der „neuen Gewaltwelle“ dieser Zeit begegnet. Sie richtet sich gerade auch gegen lesbische Frauen*, denen, auch in Bezug auf ihre Diskriminierungserfahrungen, damals wie heute erheblich weniger Aufmerksamkeit zuteil kommt als schwulen Männern.

Die Erfahrungen von People of Color und Menschen mit Behinderung werden in Beiträgen thematisiert wie zum Beispiel über das 5. Interkulturelle Sommerseminar für Schwarze Frauen-Studien oder dem 1. Gay and Lesbian Run. Neu für die Berliner Szene in dieser Zeit ist das Thema Transgender, welches mit Filmausschnitten von Monika Treuts Filme „Female Misbehaviour“ und „Max“ eingeführt wird.

Sexualität, lesbische Lust und lesbische Erotik finden immer wieder selbstverständlich ihren Raum. Performative Videos fordern zu Safer Sex auf, Nachtschwärmerinnen werden zu ihrem Datingverhalten in der Berliner Subkultur befragt, die Frauen vom ersten Lesben-Escort-Service enthüllen mit Hühnermasken auf dem Kopf und Dildos auf dem Rücken Details über ihre Kundinnen.

Die Spannbreite des künstlerischen Ausdrucks reicht von improvisierten performativen Clips über professionelle Video Art hin zu Ausschnitten aus lesbischen Langfilmen. Da wäre der Comic „Ich und Frau Berger“ von Heidi Kull, der von einer heimlichen Romanze mit der älteren Nachbarin handelt oder „Mein Frühstück mit Doris“ der Heldinnen (Nathalie Percillier), in dem die Macherinnen zwei Käfer die lesbische Zweierbeziehung nachspielen lassen. Nachrichten gibt es selbstverständlich auch: sie werden beispielsweise am Bügelbrett oder in der Telefonzelle vorgetragen. In einer Sendung spricht das LTV-Team auf der Straße Frauen an und fragt „Haben Sie schon mal ne Frau geküsst?“ von Susu Grunenberg. In anderen ruft Sharron del Mol zur Einsendung von Lesbenwitzen auf, um das Klischee der humorlosen Lesbe ironisch zu brechen. Den Macherinnen ist die Lust am Spiel, an Performance und Maskerade deutlich anzumerken.

Bevor LÄSBISCH TV runderneuert an unterschiedlichste LGBTIQ*- und Frauen-Archive versandt wird, können die Sendungen in ihrer Gesamtheit in der Filmlounge 12 Monde gesichtet werden. Bis heute hat das Material nicht an Bedeutung verloren. Es gab u.E. bisher außer Dyke TV, das in den USA von 1993-2005 im TV ausgestrahlt wurde und sich auf LTV bezog, kein vergleichbares Format, das mit einem DIY-Gedanken und aus der Community heraus produziert und im Fernsehen über einen längeren Zeitraum gesendet wurde. Heutige Verbreitungsmöglichkeiten lesbischer Inhalte findet die Community vor allem über das Internet in immer wieder neu entwickelten Formaten wie Podcasts oder Webserien wie die beliebten Mixed Messages aus Berlin oder The Foxy Five aus Südafrika.

Die Besucher_innen der Filmlounge 12 Monde können auf zwei Monitoren alle 27 Sendungen frei anwählen.
Und a
uf der Leinwand laufen ein Best-of  1-10, sowie zeitgleich zur diesjährigen Berlinale zwei Sondersendungen zum Filmfestival aus den Jahren 1992 und 1993.
In kritischen Beiträgen verweisen sie auf die mangelhafte Repräsentation von Lesben im Filmprogramm der Berlinale und bieten mit Filmausschnitten und Interviews von lesbischen Ikonen wie Barbara Hammer und Monika Treut ein Alternativprogramm an. Die Tatsache, dass 1992 von 440 gezeigten Filmen nur lediglich 44 von Frauen und nur einer mit lesbischer Thematik vertreten waren, veranlasste die Moderatorinnen zu dem Ausruf: „Die ganze Berlinale ist ein Skandal!“

Auszüge kuratorischer Text von Vera Hofmann

Team:
Kuratorin: Vera Hofmann
Assistenz 2nd Mond: Felix Roadkill, Anina Falasca
Scenography Film Lounge with Carolin Gießner, Théo Dema